Bundesfreiwilligendienst bei Theater ImPuls

Oktober 2012 bis August 2013

Ein persönlicher Rückblick unserer ersten Bufdi-Mitarbeiterin

1. Wie waren meine Erwartungen zu Beginn des Freiwilligendienstes?

Ich hatte vor dem Bundesfreiwilligendienst bereits ein zweiwöchiges und ein vier-wöchiges Praktikum an einer Förderschule gemacht und wollte nun ausprobieren, ein Jahr mit Förderschülern zu arbeiten.

Dabei hatte mich bei Theater ImPuls vor allem das pädagogische Leitbild angesprochen, Jugendlichen durch das Theaterspiel Kultur und Teamgeist nahe zu bringen. Zudem war mir im Rahmen meiner Praktika auch schon aufgefallen, dass gerade Förderschüler die kreativen und künstlerischen Schulfächer besonders ansprechen – alles besser als Mathe und Schreiben! Warum sollte das beim Theater nicht auch so sein?

Außerdem wollte ich so viele Gegenden und so viele Förderschulen im Großraum Köln wie möglich entdecken und kennen lernen.



2. Was waren meine Aufgaben während der Theaterprojekt-Wochen?

In Schul-Projekten:

Zu Beginn meines Freiwilligendienstes habe ich erst mal nur die Arbeit der verschiedenen Theaterpädagogen vor allem in den Kleingruppen beobachtet.

Die Anleitung von Spielen wie „Alle die“ oder „Ballkreis“ habe ich aber schon ziemlich bald auch selber ausprobieren dürfen.

In den Kleingruppen habe ich Texte der improvisierten Szenen zum Thema „Praktikum“ mitgeschrieben, Requisiten aus dem Container geholt und Tipps von außen gegeben, was an den Szenen noch verändert werden könnte.

Auch die mitunter komplexen Abläufe von Intro und Finale habe ich von außen beobachtet und mitgeschrieben. Das hat das Wiederholen der Abläufe mit der Klasse hinterher erleichtert.

Außerdem habe ich, sobald die Technik (Licht und Ton) stand, diese bei den Proben bedient und die Theaterpädagogen haben sich auf die szenische Erarbeitung konzentriert.

Nach 3 Monaten, mittlerweile war ich schon bei einigen Projekten dabei gewesen, habe ich mich erstmals auch an der szenischen Erarbeitung mit einer Kleingruppe versucht. Innerhalb der Woche haben wir immer mal wieder an einem Rap geübt und uns auch eine Choreographie dazu überlegt. In der Kleingruppe haben wir diese dann dem Projektleiter gezeigt und sie noch mit ihm verbessert. Der Rap wurde schließlich auch in die Theateraufführung mit eingebaut. Da war ich – wie immer – stolz auf die Teilnehmer, aber zum ersten Mal auch etwas stolz auf mich. Und natürlich dankbar, dass ich mich nach so kurzer Zeit schon im szenischen Erarbeiten ausprobieren durfte!

In vielen Projekten zum Thema „Praktikum“ haben wir zudem auch mit sogenannten Mikro-Texten gearbeitet, also mit Texten, die die einzelnen Szenen zu einer Collage verbunden haben. Diese Texte habe ich mit einzelnen Schülern erarbeitet, indem sie mir von ihren Erlebnissen während des Praktikums erzählt haben. Oft war das Praktikum schon so lange her, dass die Schüler lange überlegen mussten oder Dinge nicht wichtig fanden, die aber genau richtig waren. Hier hat auch oft der Lehrer geholfen, der seine Schüler kennt und sie an Probleme oder schöne Erlebnisse im Praktikum erinnert hat.

Ich fand die Erarbeitung der Mikro-Texte immer sehr schön, da sie den Schülern geholfen haben, noch mal über ihr eigenes Praktikum ganz anders als vorher nachzudenken.

Wenn die „Chefs“ beide nicht mit im Projekt waren, musste ich außerdem auch noch viele bürokratische Formalitäten denken. Drei Unterschriften auf drei verschiedenen Blättern, diverse Verträge usw. Aber letzten Endes hat doch immer noch alles geklappt – zum Glück!



In Ferienprojekten sah die Arbeit ein bisschen anders aus.

Mein allererstes Projekt bei Theater ImPuls war das Herbstferienprojekt im Jugendzentrum Glashütte. Als Einstieg fand ich das ziemlich gut, weil die Atmosphäre bei den Kindern und Jugendlichen untereinander sehr entspannt war und das Büro von Theater ImPuls ja auch in der Glashütte ist. Für kurzfristige Absprachen musste man also nur schnell ein Stockwerk gehen. Auch der Container mit all den Requisiten, Technik und so weiter steht ja auf dem Gelände der Glashütte.

Somit verlief das Projekt sehr stressfrei, auch wenn wir meistens bis in den späten Nachmittag im Team zusammen saßen und uns besprochen haben.

Anders war das bei den Ferienprojekten, die nicht direkt in Porz, sondern in anderen Sozialräumen Kölns stattfanden, einen anderen Tagesrhythmus und Rahmen hatten.

In Ferienprojekten sind alle Jugendlichen freiwillig in ihrer Freizeit, man kann sie also nicht mal eben barsch zu Recht weisen, wenn sie zu laut sind oder etwas zu wild toben. Schon gar nicht in der Mittagspause, die in Ferienprojekten eine Stunde dauert, in der die Kinder essen und eben auch – toben. Da mal seine Ruhe zu finden ist schwer.

Außerdem fängt das Projekt natürlich auch nicht zu Schulzeiten, also um halb neun, sondern meistens um zehn an. Das spätere Anfangen und die längere Mittagspause lassen alles etwas später in den Nachmittag rücken als das bei Schul-Projekten der Fall ist. Und dann muss man wie in Schulprojekten auch noch zurück ins Büro nach Porz.

All das macht die Ferienprojekte meiner Erfahrung nach anstrengender als die Schulprojekte.



3. Wie war mein Verhältnis zu den Schülern als Freiwillige?

Natürlich war ich rein optisch offensichtlich diejenige, die am nahsten an das Alter der Teilnehmer rankam. Und natürlich wurde ich schon mal eher als die Theaterpädagogen oder gar der Klassenlehrer gefragt, ob ich diesen oder jenen Rapper kenne, ihre Schuhe schön finde, auch einen Kaugummi möchte (Nein, ihr dürft keinen Kaugummi kauen!), einen Freund hab usw.

Mit solchen Fragen muss man einfach rechnen, denke ich und es ist jedes Mal eine Herausforderung, diesen Draht zu den Jugendlichen zu nutzen und gleichzeitig in der Rolle zu bleiben.

Ich persönlich habe mich da einfach den Theaterpädagogen von Theater ImPuls angepasst. Deren Umgang mit den Jugendlichen hat mir von Anfang an gefallen. Wir haben uns die Arbeit mit diesen mitunter anstrengenden, schwierigen, lauten, unverschämten, aber auch lustigen, einfühlsamen, lebensfrohen Jugendlichen nun mal ausgesucht.

Wir kommen da für eine Woche hin und in den allermeisten Fällen freuen sich die allermeisten Schüler darauf einfach mal eine Woche keinen Unterricht wie alle andern Wochen im Schuljahr zu haben, sondern cool Theater auszuprobieren.

Klar merkt man bei dem ein oder anderen an, dass er sich nicht sonderlich lange auf eine Sache konzentrieren kann, deutliche Sprachprobleme hat oder sich nicht so leicht lange Texte merken kann.

Beim Erarbeiten der Mikro-Texte dachte ich mir auch manchmal, „Mmh, das mit dem Schreiben üben wir aber noch mal!“. Aber eben nicht jetzt, nicht in der Theaterwoche. Und später auf der Bühne hat man den unleserlichen Zettel ja dann nicht mehr gesehen, mit dem der Spieler tagelang geübt hatte.

Von einer Lehrerin am Ende einer Woche wurde uns mal gesagt, dass sie es besonders schön findet, dass wir die Förderschüler –vermeintlich „schlimmer“ als Hauptschüler -.zu keinem Zeitpunkt als Förderschüler behandelt haben.

Ich glaube, das hat es ziemlich gut getroffen. Obwohl unser Umgang mit ihnen mittlerweile für mich ganz natürlich ist und ich gar nicht mehr groß nachdenke oder abwäge, wie ich in dieser oder jener Situation zu reagieren habe.

Ich hab immer versucht, mir selber klar zu werden, was ich vom Schüler will und erwarten kann und ihn erst dann zu ermahnen, zu loben, zu ermutigen - was eben gerade passend war.

Ich finde, das abzuschätzen ist schwierig und ich habe es am Anfang auch definitiv nicht gekonnt. Deswegen war es gut, dass ich in den ersten Monaten erst mal nur beobachtet habe. Ich habe gesehen, wie die Theaterpädagogen in den verschiedensten, oft auch unvorhersehbaren Situationen reagieren und mich dann später an ihrem Verhalten orientiert.



4. Wie habe ich die Theaterpädagogen erlebt?

Zunächst einmal, und das fällt auch den meisten Lehrern auf, arbeiten die Pädagogen bei Theater ImPuls absolut professionell.

Und doch arbeiten sie - und das fällt mir als Freiwillige gerade auf, weil ich einfach in so vielen unterschiedlichen Projekten mit unterschiedlichen Teams zusammengearbeitet habe - ganz unterschiedlich.

Jeder arbeitet szenisch und pädagogisch anders mit den Jugendlichen und doch kommt am Ende der Woche ein Theaterstück zustande, an dem alle zusammen beteiligt waren.

Außerdem habe ich zu keinem Zeitpunkt einen „Wettbewerb“ zwischen den Theaterpädagogen erlebt, wer die besseren Szenen mit den Schülern erarbeitet hat oder ähnliches.

Vielmehr wurde nach jedem Projekttag intensiv der Tag reflektiert und der nächste Tag vorgeplant. Da war dann der Rahmen, um über einzelne Szenen oder Anleitungen zu sprechen und Verbesserungen vorzuschlagen.

Das hat meiner Meinung nach für ein super Klima innerhalb jedes Teams gesorgt und man hatte richtig Spaß mit seinen Kollegen bei der Arbeit, einfach weil man sich immer offen begegnet ist. Auch als Freiwillige hatte ich schnell das Gefühl mit ins Team aufgenommen worden zu sein und respektiert zu werden.



5. Wie habe ich das Jahr als Freiwillige bei Theater ImPuls erlebt?

Ich bin total froh, den Bundesfreiwilligendienst überhaupt gemacht zu haben und aber auch ganz besonders froh, ihn bei Theater ImPuls gemacht haben zu dürfen.

Ich hatte mich erst ganz kurzfristig für die Stelle beworben, weil eigentlich immer der Plan war, nach dem Abi direkt irgendwas zu studieren. Irgendwas halt, Hauptsache Studium. Das war auch das, was uns in der Schule immer vermittelt wurde und man kennt ja nichts anderes, also macht man es halt wie alle anderen auch.

Mir war auch schon immer klar, dass ich in den pädagogischen Bereich gehen wollte und hatte auch schon so manches Mal in dem Bereich Erfahrungen gesammelt.

Aber ich glaube nicht, dass ich mich, wie jetzt der Fall, wirklich und ernsthaft für ein Studium auf Lehramt Sonderschulpädagogik entschieden hätte – und eben nicht für „irgendwas“.

Ein Freiwilliges JAHR ist noch mal was anderes, als ein paar Wochen Praktikum an einer Schule oder ein Ferienjob.

Ich hatte ein ganzes Jahr lang Zeit, mich in sämtlichen Bereichen auszuprobieren, viele verschiedene Stadtteile, Schulen, Lehrer, Schüler und Theaterpädagogen kennen zu lernen.

Ich durfte während der Projekte und im Büro ganz viel ausprobieren und habe noch viel mehr gesehen.

Selbst wenn es manchmal viel und anstrengend war, im Team konnte man das auch immer sagen und es wurde versucht zu ändern oder zu helfen.

Die Reflexionen am Ende der Projekttage haben mir auch immer sehr dabei geholfen, das alles zu würdigen und schätzen zu lernen und zu merken –

Wow, ich hab echt Glück gehabt so eine super Bufdi-Stelle und so ein tolles Team zu haben.



L.K., August 2013

Theater ImPuls • Glashüttenstr. 20 • 51143 Köln-Porz