Praxissemester bei Theater ImPuls

August 2015 bis Januar 2016

Ein persönlicher Rückblick einer Studentin der Kath. Hochschule Köln

Im Rahmen meines Studiums Soziale Arbeit an der KatHo Köln hatte ich die Möglichkeit, über ein halbes Jahr Theater ImPuls als Praxissemestlerin bei den verschiedenen Projektwochen zu begleiten und das Feld der Theaterpädagogik genauer kennenzulernen.  Angefangen von speziellen Beobachtungsaufgaben in ersten Projekten bis zur selbständigen Entwicklung einer eigenen Szene  am Ende war ich von Anfang an in den Theateralltag und das Team eingebunden.

An der KatHo findet die Praxisphase im 5. Semester statt, das heißt, ich hatte zu Beginn zusätzlich zu Praktika- und FSJ-Erfahrungen in sozialarbeiterischer Hinsicht ein ganz solides Grundwissen; Theaterpädagogik als solches war aber bis dahin noch nicht näher thematisiert worden  und somit gewissermaßen Neuland für mich.  Das war aber kein Problem, weil ich in den ersten Projekten Zeit hatte, alles in Ruhe kennenzulernen, die Abläufe zu verstehen und trotzdem schon in Kleingruppenphasen  Ideen einzubringen, Texte mitzuschreiben und Büroaufgaben wie das Erstellen von Einladungen und Programmheften zu erledigen.

Im Laufe der Praxiszeit verselbständigten sich diese Aufgaben auch mehr und mehr und ich hatte immer öfter die Möglichkeit, eigene Ideen bei Vorbereitungen einzubringen und mitzuplanen. Vor allem die Tagesauswertungen und Reflexionsgespräche fand ich für mich persönlich immer super hilfreich und spannend.

Ein besonderes Highlight war für mich das aktuelle Großprojekt zum Thema Integration. Hier hatte ich nicht nur die Chance, von Anfang an bei den Vorüberlegungen dabei zu sein und verschiedene Überlegungen zu Methoden, Inhalten und Vorgehen aufzustellen (oder auch wieder zu verwerfen), sondern auch, eine  eigene Szene komplett selbst zu gestalten und mit den SchülerInnen zu entwickeln. Vorgabe von der Hochschule war, ein sogenanntes Studienprojekt eigenständig durchzuführen und Zweck, theoretische Grundlagen und unsere Vorgehensweise im Nachhinein zu dokumentieren.

Durch Gespräche mit den Kollegen hatte ich von Augusto Boal und dem „Theater der Unterdrückten“ erfahren, was mich direkt ansprach und auf die Idee brachte, eine seiner Methoden, Zeitungstheater, in meinem Studienprojekt aufzugreifen und in unser einwöchiges Integrationsprojekt an einer Förderschule einzubringen.

Der Grundgedanke der Technik des Zeitungstheaters besteht kurz gesagt darin, real existierende Meldungen und Schlagzeilen  aus dem gewohnten Zeitungskontext herausgelöst auf der Bühne vorzustellen und die Inhalte kritisch zu hinterfragen. Dabei geht es sowohl für die Schauspieler als auch für das Publikum in erster Linie darum, sich mit der Darstellungsweise der Medien in Bezug auf bestimmte Themen auseinanderzusetzen und ein Bewusstsein für ihren Einfluss auf die Gesellschaft zu entwickeln. Weil das Ziel der gesamten Projektwoche darin bestand, den TeilnehmerInnen das Thema Integration näherzubringen, hatte ich im Vorfeld schon fremdenfeindliche Schlagzeilen der letzten Monate herausgesucht und ausgedruckt. Meine Überlegung für die Szene war, dass diese Schlagzeilen von einem „Moderator“ präsentiert werden und der Rest der Gruppe nach jeder Meldung ein Standbild bzw. eine Kurzszene entwirft, welche diese Aussagen nach den eigenen alltäglichen Erfahrungen der SchülerInnen widerlegen.


Während der gesamten Zeit, in der ich das Projekt durchführte und mit der Gruppe plante, war ich erstaunt und begeistert, mit welcher Energie und Interesse sich die TeilnehmerInnen mit dem Thema auseinandersetzten und sogar eigene Vorschläge zur Gestaltung einbrachten. Gleichzeitig zeigten sich für mich jedoch auch schnell die Herausforderungen und Grenzen, wenn man eigenständig in so kurzer Zeit mit dieser Zielgruppe eine komplette Szene auf die Beine stellen will. Von der Rollenverteilung über den Einsatz von Musik bis zur Raumaufteilung und choreografischen Elementen gibt es so viele Aspekte, die bedacht und überlegt werden müssen, und trotz der Leistungsbereitschaft der TeilnehmerInnen musste ich mir als Szenenanleiterin stets vor Augen halten, wie weit die Schüler über sich hinauswachsen können und wann sie an ihr Limit stoßen.

Umso größer war dann freitags aber bei der Aufführung vor Publikum der Stolz, dass die Gruppe es schaffte, trotz aller Schwierigkeiten die Szene selbständig zu präsentieren und bis zum Ende durchzuziehen. Auch wenn letztendlich mal ein Satz vergessen wurde oder ein Einsatz etwas zu früh kam, war für mich viel ausschlaggebender zu sehen, welche enorme Entwicklung jeder einzelne Schüler in dieser einen Woche durchlaufen hatte und wie stolz sie anschließend (zu Recht!) auf ihre eigene Leistung waren.


Besonders war für mich in diesem Kontext auch das Feedback einer Schülerin, die zum Abschluss der Theaterwoche erklärte, ihr habe an der ganzen Zeit das Zeitungstheater am besten gefallen, weil das, was manche Zeitungen schreiben, ja gar nicht stimmen würde und sie gut fände, dass sie dies in der Szene gezeigt hätten. Diese Aussage hat mir gezeigt, dass diese Schülerin nicht nur inhaltlich verstanden hatte, worauf es ankam, sondern auch aktiv einen Transfer zu ihrer eigenen Wahrnehmung hergestellt und eine kritische Haltung eingenommen hatte. So fühlte ich mich letztlich bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war, mein Studienprojekt Zeitungstheater zu diesem Thema an der Schule durchzuführen.


Insgesamt kann ich jedem, der sich für Theater mit all seinen Möglichkeiten und die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen interessiert, nur empfehlen, sein Praxissemester bei Theater ImPuls zu machen, da ich unglaublich viel an neuem Wissen und Erfahrungen aus den letzten 5 Monaten mitnehme und dankbar bin, dass ich mich in so einem tollen Team bei stets abwechslungsreicher Arbeit so viel selbst ausprobieren konnte!

 

V.S., Januar 2016

Theater ImPuls • Glashüttenstr. 20 • 51143 Köln-Porz